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Paul Dessau wird am 19. Dezember 1894 in Hamburg, Hohler Weg 21, am Fu?e des Michel, geboren. Seine Eltern sind der Zigarrenarbeiter Sally Dessau (1849-1923) und seine Frau Louise, geb. Burchard (1863-1942). Der Vater - »Besitzer eines kleinen Tabakladens in der N?he des Hafens« (Dessau, Biographische Skizze, 1953) - sollte urspr?nglich wie der Gro?vater Moses Berend Dessau Kantor werden. Ein Onkel, Bernhard Dessau, ist Geiger an der K?niglichen Oper Unter den Linden, ein Cousin ist Max Winterfeld, der als Jean Gilbert erfolgreicher Operetten-Komponist wird. Paul w?chst in einer musikalischen Atmosph?re auf. »Man r?hmte mir nach, im Alter von drei Jahren den Prolog aus der Oper "Bajazzo" gesungen zu haben. Fr?h pr?gte sich das absolute Tonbewu?tsein aus. Ich wurde mit Schuberts Liedern und Wagners Arien gro? und wollte auch S?nger werden.« (Dessau, 1953). Mit sechs Jahren erh?lt er Geigen-Unterricht, mit elf tritt er in Altona erstmals ?ffentlich auf


Nach ersten Kompositionsversuchen beginnt er 1909 am Klindworth-Scharwenka- Konservatorium in Berlin ein Studium mit dem Hauptfach Violine. 1913 erh?lt er eine Anstellung als Korrepetitor am Hamburger Stadttheater: »Die Hamburger Zeit wurde f?r meine k?nstlerische Entwicklung von h?chster Bedeutung. Chefkapellmeister wurde der ber?hmte Felix von Weingartner. Der unverge?liche Arthur Nikisch kam allj?hrlich, und ich durfte w?hrend der Proben hinter ihm sitzen und lernte dabei mehr als in allen Konservatorien zusammen.« (Dessau, 1953). Den Sommer 1914 verbringt er als Zweiter Kapellmeister am Tivoli-Theater in Bremen (Direktor: Jean Gilbert), dirigiert dort erstmals eine Operette. 1915 wird er zum Kriegsdienst eingezogen, den er zun?chst an der Westfront in Frankreich, dann in der Milit?rkapelle des Infanterieregiments Nr. 84 (Schleswig-Holstein) in Schleswig ableistet

1918 kehrt er nach Hamburg zur?ck, diesmal als Kapellmeister und Komponist an Erich Ziegels Kammerspielen. Es folgen verschiedene Engagements als Korrepetitor und Kapellmeister: 1919-23 in K?ln bei Otto Klemperer, 1923 in Mainz, 1925 als Erster Kapellmeister unter Bruno Walter an der St?dtischen Oper Berlin. F?r sein »Concertino« f?r Violine erh?lt er 1925 den Preis des Musikverlags Schott. Am 21.6.1924 heiratet er die Schauspielerin Gudrun Kabisch, der Ehe (1936 geschieden) entstammen die Kinder Eva (geb. 1926) und Peter (geb. 1929). In Prag wird 1927 Dessaus »Erste Sinfonie (in C)« uraufgef?hrt.

»Der aufstrebende Musiker interessierte sich rasch f?r den Film, wurde von der Ufa [1926] mit der Leitung ihres Orchesters in Wiesbaden betraut, das er, wie man h?rt, auf ansehnliche H?he brachte.« (Das Kino-Orchester, 14.7.1928). Aus Wiesbaden, wo der Geiger (Jean) Kurt Forest sein Konzertmeister und Stellvertreter ist, kehrt er nach Berlin zur?ck und leitet kurze Zeit das Orchester des Phoebus-Palasts im Europa-Haus. Als die S?dfilm am 20.8.1928 das Alhambra (zuvor Emelka-Palast) am Kurf?rstendamm als Erstauff?hrungskino wiederer?ffnet, wird Dessau als Orchesterleiter engagiert.

Aus diesem Anlass ver?ffentlicht die Fachpresse seine Absichten: »Kapellmeister Dessau, Dirigent eines f?nfzehn Mann starken Orchesters, beabsichtigt, eine Reihe musikalischer Neuerungen einzuf?hren. So wird er zum Film SONG eine kurze Ouvert?re spielen lassen, die er selbst komponiert hat. Au?erdem wird er einen Zeichentrickfilm mit durchkomponierter, moderner Originalmusik begleiten. Weitere Experimente, unter anderem engere Zusammenarbeit mit einem der bekanntesten modernen deutschen Komponisten sind vorgesehen.« (Film-Kurier, 16.8.1928). Alle hier genannten Pl?ne realisiert er erfolgreich in den etwa zwei Jahren seiner T?tigkeit mit dem Alhambra-Kammerorchester.

Neben der traditionellen Illustration der eher mittelm??igen Unterhaltungsfilme, die im Alhambra Premiere haben, schreibt er zu einer Reihe kurzer Trickfilme Original-Kompositionen, die er nicht nur im Vorprogramm, sondern auch in Sonderveranstaltungen pr?sentiert, die er gemeinsam mit anderen Komponisten veranstaltet.

Sein Impetus bei der Arbeit geht ?ber die routinem??ige Illustration nach Kinotheken hinaus: »Das Lichtspieltheater, die Unterhaltungsst?tte der breiten Masse, ist in viel h?herem Ma?e verpflichtet, an der Weiterentwicklung der musikalischen Bildung des Volkes zu arbeiten, als beispielsweise die Oper, die noch immer nur einer verh?ltnism??ig geringen Anzahl von Menschen und nur in wenigen gro?en St?dten zug?nglich ist. Und die modernste, aktuellste und lebendigste Kunstgattung, »Das lebende Bild«, sollte auch durch die modernste, lebendigste Musiksprache begleitet werden.« (Dessau, Reichsfilmblatt, 27.10.1928).

F?r die Tobis-Film entsteht im Fr?hjahr 1929nach dem Musikst?ck »Der Nebbich« in Zusammenarbeit mit Hans Conradi das kurze Tonfilm-Experiment PAUL DESSAU (Zensurtitel). Die Urauff?hrung findet am 25.7.1929 unter dem Titel EPISODE w?hrend der Kammermusikwoche Baden-Baden 1929 im Rahmen einer Reihe von Experimenten mit der Tonfilm-Technik statt, die von dem Komponisten und Tontechniker Dr. Guido Bagier f?r die Tobis hergestellt werden. Der Film l?uft mit anderen des Baden-Badener Programms auch am 6.10.1929 in der Neue-Musik-Woche in M?nchen.

W?hrend Dessau sich so bereits intensiv mit dem Tonfilm besch?ftigt, begleitet er weiterhin Stummfilme im Alhambra, darunter auch Wiederauff?hrungen ?lterer Filme wie Joe Mays Abenteuerfilm DAS INDISCHE GRABMAL (1921) und ein Programm mit Chaplin-Zweiaktern von 1923. Au?erdem dirigiert er am 30.12.1929 seine Illustration zur Urauff?hrung von Jutzis MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GL?CK. »Dieser Zille-Film war aber nicht nur an sich schwer zu illustrieren - stellenweise geradezu unm?glich -, sein Schnitt verursachte vielfach, in Anlehnung an russische Vorbilder, so starke Unruhe im Bild, dass die Einhaltung der musikalischen Linie schier undurchf?hrbar wurde, ohne der musikalischen Anpassung Opfer zu bringen. Dessau brachte diese Opfer nicht, und so unterbrach er die Linie des ?fteren mit liebevoll gezeichneten Einzelheiten, die den jeweiligen Stimmungsgehalt bis zum letzten aussch?pften, aber nach meinem Daf?rhalten nicht immer im Zusammenhang miteinander blieben. Dennoch: ein echter Dessau, die Musik. Keine eing?ngige Kost.« (K. London, Der Film, 4.1.1930). Die Verbindung zum Alhambra endet im Mai 1930 mit einem Proze? vor dem Arbeitsgericht, weil Dessau sich zu intensiv mit der neuen Tonfilm-Technik besch?ftigt und seinen - schon reduzierten - Verpflichtungen als Orchesterleiter nicht gen?gend nachgekommen sei.

Seine Tonfilm-Arbeit umfa?t zun?chst Filmoperetten und S?ngerfilme mit dem Kapellmeister und Tenor Richard Tauber: ICH GLAUB\' NIE MEHR AN EINE FRAU, DAS LOCKENDE ZIEL, DAS LAND DES L?CHELNS, DIE GROSSE ATTRAKTION und MELODIE DER LIEBE. Dessau obliegt die musikalische Leitung der Melodien von Franz Leh?r und Bronislaw Kaper und er komponiert zus?tzliche Passagen. Der zweite Schwerpunkt sind - meist assistiert von Fritz Goldschmidt - die Musiken f?r Arnold Fancks Bergfilme ST?RME ?BER DEM MONTBLANC, DER WEISSE RAUSCH und S.O.S. EISBERG, ebenso die zum gleichen Genre und zum Teil von Fancks Mitarbeitern hergestellten NORDPOL - AHOI! und ABENTEUER IM ENGADIN. In ST?RME ?BER DEM MONTBLANC setzt er u.a. auch die Welte-Orgel und das Trautonium f?r elektronische Effekte ein. »Wie er eine Lawine akustisch nachdichtet, ihrem St?rzen und Poltern die musikalische Substanz abh?rt, einen Orgelpunkt als Pfeiler hinstellt und dar?ber mit wenigen harmonischen Strichen das Dumpfe des Falls herausarbeitet, ist mehr als blo?e Stilisierung von Ger?uschen.« (Lichtbild-B?hne, 6.2. 1931).

Aus diesen Genre-Reihen fallen unter anderem E. A. Duponts Artistenfilm SALTO MORTALE heraus, der 1931 zugleich in deutscher und franz?sicher Version entsteht, und Frank Wysbars mystizistischer ANNA UND ELISABETH, beim dem Dessaus Name nicht genannt wird und der 1933 sein letzter deutscher Film ist (die zwei Gr?nland-Filme sind vorher fertig, kommen aber erst 1933 bzw. 1934 heraus).

Mitte 1933 emigriert Dessau nach Paris, wohnt 1935 in Herblay, zieht Ende des Jahres nach Boulogne-sur-Seine. Er komponiert f?r einige franz?sische Spielfilme, die - ?berwiegend - unter der Regie oder der Produktion von Emigranten aus der deutschen Filmindustrie entstehen: Kurt Bernhardts L\'OR DANS LA RUE, Robert Siodmaks CARGAISON BLANCHE, Max Oph?ls\' YOSHIWARA, Fedor Ozeps GIBRALTAR. Bei ACCORD FINAL (I. R. Bay unter der Oberleitung von Detlef Sierck), CARREFOUR (Bernhardt) und WERTHER (Oph?ls) verwendet er das Pseudonym Henri Herblay. Helmar Lerskis AWODAH, ein in Pal?stina gedrehter und in Budapest bearbeiteter Dokumentarfilm l?uft beim Filmfestival in Venedig.

Daneben tauchen in Dessaus Aufzeichnungen einige Titel auf, die nur teilweise nachweisbar sind, z.B.: »Ich lernte noch in Berlin einen Russen kennen, der einen kleinen Film gemacht hatte, und den komponierte ich in Paris - es war ein Kulturfilm ?ber ?gypten« (Dessau, 1974, '); dabei handelt es sich vermutlich um Viktor Stoloffs SIWA - ESCALE DU DESERT.1936 beginnt er gemeinsam mit Ren? Leibowitz Studien der Zw?lfton-Technik, gleichzeitig, ausgel?st durch den spanischen B?rgerkrieg, engagiert er sich politisch und komponiert unter dem Pseudonym »Peter Daniel« u.a. die Lieder »No pasaran« und »Th?lmannkolonne«, zu denen seine Frau Gudrun Kabisch unter dem Pseudonym »Karl Ernst« die Texte verfa?t. Daneben entsteht auch eine Reihe von Kompositionen zu j?dischen Themen, u.a. das Oratorium »Haggadah« (1936) nach einem Text von Max Brod sowie Lieder mit jiddischen und hebr?ischen Texten.

Im Juli 1939 emigriert er weiter nach New York, wo er zun?chst seinen Lebensunterhalt mit Kopieren von Noten und Texten anderer Kollegen verdient sowie als Musiklehrer in einem Kinderheim und bei der Musikschule des Y.M.H.A. Er f?hrt Kompositionsauftr?ge aus, tritt mit eigenen Liedern auf. »Er lebte in einem winzigen Souterrainzimmer, in dem das Wasser die W?nde herunterlief, so dass sein einziges Wertst?ck, ein Klavier, bald unbrauchbar war. Um zu leben arbeitete er auf einer H?hnerfarm [in New Brunswick], die jedoch so weit au?erhalb lag, dass er fr?h um vier Uhr mit dem Vorortzug schon unterwegs sein mu?te. Dieses Leben machte ihn fix und fertig. Alle Kraft brauchte er f?r den nackten Lebensunterhalt. An k?nstlerische Arbeit war nicht zu denken.« (Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht, 1986). In dieser Situation lernt er 1942 bei der Vorbereitung zu einer Veranstaltung Bertolt Brecht kennen, auf dessen Anregung er nach Hollywood ?bersiedelt, wo er zun?chst im Haus von Andrew Marton wohnt. Es folgt eine Reihe von gemeinsamen Arbeiten mit Brecht, u.a. das Oratorium »Deutsches Miserere« und die nicht fertiggestellte Oper »Die Reisen des Gl?cksgotts«. In Hollywood pflegt er auch engen Kontakt mit Arnold Sch?nberg.
Dessau erh?lt bei verschiedenen Filmproduzenten Auftr?ge als Instrumentator und Orchestrator und f?hrt daneben »Negerarbeit« aus: »Ein Komponist wurde nicht fertig und sagte mir: "Mach mir einmal zwei bis drei Sequenzen von den f?nfundzwanzig, die ich abliefern mu?." Da machte ich eben zwei bis drei Sequenzen und bekam pro Sequenz vielleicht f?nfzig Dollar.« (Dessau, 1974). Brecht notiert am 20.7. 1945 im Arbeitsjournal: »jetzt beschwert sich dessau, da? e[isler], zur?ck in hollywood, ihn anrief und bat, da seine nerven herunter seien, ihm etwa 12 minuten filmmusik f?r das studio zu schreiben. sie machten aus, e w?rde seinen scheck daf?r mit d teilen (1000 $). d schrieb 4 minuten, e hatte sich erholt und fand d musik nicht verwertbar. d verlangte nat?rlich dennoch sein geld (zu e erstaunen). zu bekommen hatte er 200 $ (?blicher preis), er begn?gte sich damit, 100 zu verlangen. 4 wochen vergingen, d war in miserablen umst?nden, brauchte das geld, e wu?te das. in meinem arbeitszimmer sitzend, mit d in der k?che, beschwerte sich e, da? die hollywoodmusik seine ohren ruiniere.

«Diese »Negerarbeit« erledigt Dessau haupts?chlich f?r die Komponisten Karl Hajos, Hans J. Salter (1929 in Berlin Kapellmeister in Ufa-Kinos), Edgar Fairchild und Hugo W. Friedhofer. Einige von ihnen sind auch Co-Autoren bei Filmen, f?r die Dessau ab 1945 auch selbst Credits als Komponist oder Musikalischer Leiter erh?lt: u. a. THE WIFE OF MONTE CRISTO (Edgar G. Ulmer), WINTER WONDERLAND (Bernard Vorhaus), THE PRETENDER und THE VICIOUS CIRCLE (W. Lee Wilder). Nicht allen in ?berlieferten Gehaltsabrechnungen auftauchenden Honorarzahlungen lassen sich bestimmten Filmen zuordnen. Seine letzte - ungenannte - Arbeit in Hollywood ist 1948 Komposition (»Joan«), Orchestration und Arrangement f?r Hugo W. Friedhofer in Victor Flemings Film JOAN OF ARC.

1947 arbeitet er noch einmal mit Helmar Lerski zusammen und schreibt f?r den in Pal?stina vor allem f?r Amerika produzierten Dokumentarfilm ?ber Kinder in einem Kibbuz ADAMAH / TOMORROW\'S A WONDERFUL DAY eine Musik, die er auch zu einer Kammermusik-Suite umarbeitet. Letztes wichtiges Ergebnis der Zusammenarbeit mit Brecht in den USA ist die Auff?hrung von »Der gute Mensch von Sezuan« mit Dessaus B?hnenmusik. 1948 kehrt Dessau mit seiner zweiten Frau, der Schriftstellerin Elisabeth Hauptmann, nach Europa zur?ck und l??t sich in Ost-Berlin nieder, wo am 11.1.1949 »Mutter Courage und ihre Kinder« mit seiner Musik im Deutschen Theater Premiere hat. Er arbeitet in den n?chsten Jahren wieder intensiv mit Brecht zusammen; sie verfassen f?r die Freie Deutsche Jugend das »Aufbau-Lied«. F?r das Berliner Ensemble entstehen mehrere B?hnenmusiken: »Herr Puntila und sein Knecht Matti«, »Mann ist Mann«, »Urfaust«, »Don Juan«, »Der kaukasische Kreidekreis«.

Ihre Oper »Das Verh?r des Lukullus« darf nach einer Probeauff?hrung am 17.3.1951 nicht aufgef?hrt werden - die Musik wird als »volksfremd und formalistisch« angegriffen -, und l?st (unter Beteiligung der Staatsf?hrung) eine der ersten gro?en kunstpolitischen Debatten aus. Umgearbeitet hat sie unter dem Titel »Die Verurteilung des Lukullus« erst am 12.10.1951 ?ffentlich Premiere.

Zu den III. Weltfestspielen der Jugend im Sommer 1951 verfassen Brecht und Dessau die der FDJ gewidmete Kantate »Herrnburger Bericht«, eine von zahlreichen Arbeiten, mit denen Dessau (h?ufig nach Texten von Brecht) direkt zu politischen Ereignissen Stellung nimmt, so 1963 ein »Requiem f?r Lumumba« mit einem Text von Karl Mickel.

In den n?chsten Jahren entstehen zahlreiche Kompositionen, darunter Lieder (nach Texten von Brecht, Friedrich Wolf, Johannes R. Becher, Walter Ulbricht und Volker Braun, Karl Mickel, Georg Maurer, Erich Fried, Erich Honecker und Heiner M?ller, Pablo Neruda und anderen), Tanzszenen (meist nach Szenarien von Ruth Berghaus), Orchesterst?cke (»In memoriam Bertolt Brecht«, 1957; »Orchestermusiken 1-4«, 1964-75; »Quattrodramma«, 1965). Er schreibt Schauspielmusiken - 1963 »Coriolan« (Brecht/Shakespeare), 1968 »Vietnam-Diskurs« (Peter Weiss), 1973 »Zement« (Heiner M?ller) - und Opern: »Puntila« (1957-59, UA: 15.11.1966), »Lanzelot« (1969, Text: Heiner M?ller nach Jewgenij Schwarz, UA: 19.12.1969), »Einstein« (1971-73, Text: Karl Mickel, UA: 16.2.1974), »Leonce und Lena« (1978/79, Text: Thomas K?rner nach B?chner, UA: 24.11.1979).

Dessau pflegt Freundschaft und Kooperation mit seinen jungen Kollegen Luigi Nono und Hans Werner Henze, der z.B. Dessaus H?rspiel »Orpheus« (1930/31) zur Oper »Orpheus und der B?rgermeister« umarbeitet und am 5.8.1977 in Montepulciano urauff?hrt. Gemeinsam mit Boris Blacher, Karl Amadeus Hartmann, Henze und Rudolf Wagner-R?geny komponiert Dessau 1960/61 das Chorwerk »J?dische Chronik«.

Mitte der 50er Jahre beginnt er wieder f?r den Film zu komponieren, vor allem f?r eine Reihe von propagandistischen Dokumentarfilmen von Andrew und Annelie Thorndike. »Allein der Senior der DDR-Komponisten Paul Dessau schrieb in den f?nfziger und sechziger Jahren f?r die Thorndikeschen Dokumentationen DU UND MANCHER KAMERAD (1956), UNTERNEHMEN TEUTONENSCHWERT (1958) und DAS RUSSISCHE WUNDER (1962) Partituren, die in ihrem k?nstlerischen Anspruch aus den Niederungen konfektionell gefertigter Kapellmeistermusik herausragen. Dessau nutzt einen gro?en Intonationsvorrat, um seine stets sp?rbare parteiliche Haltung zum visuellen Geschehen zu artikulieren. Charakteristisch ist eine dualistische Materialkonzeption im Sinne von gut und b?se, fortschrittlich und reaktion?r.« (Thiel, 1981).

Walter Heynowskis Kurzfilm ?ber Blutspenden f?r Vietnam - 400 CM3 - begleitet Dessau mit einer A-capella-Komposition f?r einen gro?en Chor.

Richard Cohn-Vossens Dokumentarfilm PAUL DESSAU - STUDIE ?BER DIE AUFBAUENDE UNZUFRIEDENHEIT EINES KOMPONISTEN (1966/67) zeigt Dessau - neben einem Interview - bei einer Orchesterprobe und bei der Arbeit mit Sch?lern der Allgemeinbildenden Polytechnischen OberschuleI in Zeuthen, wo er seit 1954 wohnt.

Paul Dessau wird 1952 Mitglied der Deutschen Akademie der K?nste zu Berlin, deren Vizepr?sident er 1957-62 ist. Er betreut zahlreiche Meistersch?ler, u.a. Friedrich Goldmann und Reiner Bredemeyer. 1965 wird er auch Mitglied der westberliner Akademie der K?nste, aus der er 1968 - unter Protest - austritt. Ab 1952 lehrt er an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin-Obersch?neweide und wird 1959 zum Professor ernannt.

Dessau heiratet 1952 in dritter Ehe Antje Ruge. Ab 1954 ist er mit der Choreografin und Regisseurin Ruth Berghaus verheiratet, der Sohn Maxim Dessau (geb. 1954) hat an der Hochschule f?r Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg studiert und ist Filmregisseur.

Paul Dessau stirbt am 28. Juni 1979 in K?nigs Wusterhausen.

Auszeichnungen
1953 Nationalpreis III. Klasse.
1956 Nationalpreis II. Klasse f?r DU UND MANCHER KAMERAD im Kollektiv.
1965 Nationalpreis I. Klasse.
1965 Vaterl?ndischer Verdienstorden in Gold.
1969 Karl-Marx-Orden.
1974 Nationalpreis I. Klasse.

Literatur

Dessau zum Film
* Illustration und Komposition - Richtlinien und Ziele. In: Das Kino-Orchester, Nr. 27, 1.9.1928.
* Moderne Beiprogramm-Musik. In: Reichsfilmblatt, Nr. 43, 27.10.1928.
* Versuch, etwas ?ber Filmmusik zu sagen. In: Film-Kurier, Nr. 13, 14.1. 1929.
* 4 Tage Tonfilmerfahrung = 4 Zeilen. In: Film-Kurier, Nr. 126, 11.9.1929.
* Meine Filmmusik. In: Progress-Presseheft: Du und mancher Kamerad. Berlin: VEB Progress Film-Vertrieb 1956, n.p. (Diese Texte sind im 1. Teil abgedruckt.)
* Biographische Skizze. In: Programmheft zu einem Konzert mit Werken von Paul Dessau in der Akademie der K?nste zu Berlin am 28. Mai 1953, S. 5-9; auch in: Notizen zu Noten, S. 31-37.
* Paul Dessau: Notizen zu Noten. Hg. v. Fritz Henneberg. Leipzig: Reclam 1974, (RUB 571), 232 S.
* Paul Dessau. Aus Gespr?chen. Leipzig: VEB Deutscher Verlag f?r Musik 1974, 272 S., ill. ?u?erungen Dessaus, Fotos, Werkverzeichnis, Bibliografie, Diskografie). 

B?cher zu Dessau
* Fritz Henneberg: Dessau - Brecht. Musikalische Arbeiten. Berlin/DDR: Henschel 1963, 552 S.
* Fritz Hennenberg: Paul Dessau. Eine Biographie. Leipzig: VEB Deutscher Verlag f?r Musik 1965, 160 S.
* Fritz Hennenberg: F?r Sie portr?tiert - Paul Dessau. Leipzig: VEB Deutscher Verlag f?r Musik 1974, 72 S.
* Joachim Lucchesi (Hg.): Das Verh?r in der Oper. Die Debatte um die Auff?hrung "Das Verh?r des Lukullus" von Bertolt Brecht und Paul Dessau. Berlin: BasisDruck 1993, 443 S.
* Ulrich Dibelius, Frank Schneider (Hg.): Neue Musik im geteilten Deutschland. Dokumente aus den f?nfziger Jahren. Berlin: Berliner Festspiele / Henschel 1993, 400 S. 

Zur Filmarbeit
* Karl Schinsky: Gedanken ?ber eine Filmmusik. In: Musik und Gesellschaft, Nr. 1, 1957, S. 11-15.
* Peter Voigt: »Paul Dessau«. In: Filmwissenschaftliche Mitteilungen, Nr. 4, 1967, S. 1352-1358.
* Michael Hanisch: Paul Dessau, der Filmkomponist und Film-Illustrator. In: Horst Knietzsch (Hg.): Prisma 6. Berlin/DDR: Henschel 1975, S. 118-138. (Mit Filmografie).
* Wolfgang Thiel: Filmmusik in Geschichte und Gegenwart. Berlin/DDR: Henschel 1981, passim.

Quelle: Hans-Michael Bock (http://www.cinegraph.de/lexikon/Paul_Dessau/biografie.html)

 

 

 

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